übersetzt von Cynthia Doll-Hartmann

Ein detaillierter und meisterhafter Artikel über die Nutzung von EFT bei Trauma von Emma Roberts, EFT-Master. Der vorliegende Artikel war von Gary Craig, dem Begründer der Methode EFT, in seinem Newsletter veröffentlicht und mit folgendem Hinweis versehen worden: „Emma Roberts aus Großbritanien gibt uns einen eingehenden Blick auf Trauma und viele Wege, um mit EFT Erleichterung zu ermöglichen. Dieser Artikel ist 'ein Muss' für Professionelle und ernsthafte Studenten.“ Aufgrund der Länge wurde der Artikel in 2 Teile aufgeteilt.

Teil 1: Hintergründe von Traumata

Trauma kommt in allen Formen und Größenordnungen vor, so wie es auch die Reaktionen der Menschen darauf sind. EFT kann bei allen von ihnen erfolgreich eingesetzt werden, hierbei handelt es sich jedoch um ein Gebiet, bei dem es angemessen sein mag, mit einer/em qualifizierten/m Therapeutin/en zusammen zu arbeiten, zumindest zu Beginn. Das vorrangige Anliegen, wenn mit Trauma gearbeitet wird, ist die eigene Sicherheit oder die der/s Klientin/en. Dies ist von höchstem Rang, da Re-Traumatisierung und Abreaktion in jedem Fall vermieden werden müssen.

Trauma beeinflusst unseren geistigen Wahrnehmungs- und Interpretations-Bezugsrahmen auf einer tiefliegenden Ebene. Es untergräbt unsere Überzeugungen sowohl in Bezug auf uns selbst und unsere Existenz ebenso wie unsere Wahrnehmung der Realität, so wie wir sie kennen. Die daraus erwachsenden Überzeugungen können auf ernste Weise den täglichen Tagesablauf stören, ohne dass wir dies notwendigerweise erkennen.

Die Effektivität von EFT in der Arbeit mit Trauma ist weitreichend. Während es unmittelbare Erleichterung von traumatischen Erinnerungen bringen kann, ist es ebenso ein sanftes Werkzeug, um viele Schichten und Aspekte freizulegen, die mit Trauma verbunden sein können, indem es sie systematisch und effektiv durcharbeitet, bis deren emotionale Ladung vergangen ist.

In diesem Artikel werde ich die unterschiedlichen Manifestationen von Trauma betrachten sowie die jeweiligen Optionen, mit Hilfe von EFT an ihnen zu arbeiten.

 

Selbstfürsorge für Therapeut/innen

Bevor wir beginnen, mit Trauma zu arbeiten, ist es unerlässlich, uns selbst als Therapeuten sowie unsere eigene Antwort auf Trauma in seinen verschiedenen Formen zu betrachten.

Im ersten Schritt arbeiten wir so auf eine Weise mit einem nicht aufgelösten Trauma, von dem wir immer noch betroffen sein können, dass wir nicht durch die Erfahrungen der/des Klientin/en getriggert werden. Der Unterschied zwischen empathischer Empfindung für und Zusammenspiel mit der/dem Klientin/en muss betont werden. Während es wichtig ist, Empathie für die/den Klientin/en zu empfinden, ist es nicht hilfreich für sie, wenn wir auf unsere eigenen Erlebnisse zugreifen und auf diese Weise den Prozess behindern. Wie Gary oft sagt: gestatte, dass die Arbeit durch dich hindurch wirkt und nicht von dir ausgehend. Wir müssen ein klarer Kanal sein, um unseren Klient/innen vollkommen zu Diensten zu sein und maximale Ergebnisse zu erzielen.

Probiere zu Testzwecken deine Trauma-“Knöpfe“, indem du dir mögliche unterschiedliche Zukunfts-Szenarien oder vergangene Ereignisse vorstellst und nimm wahr, was – wenn überhaupt – noch eine emotionale Antwort auslöst... und wende EFT darauf an.

Erkenne auch, dass du ein Mensch bist und dass sich Dinge an dich heranschleichen und dich überraschen können. Du wirst vielleicht einige Horror-Geschichten zu hören bekommen. Wenn dies im Verlauf einer Klienten-Sitzung geschieht, dann stell dir vor, wie du es aus dem Raum herausnimmst und in eine Box hineinlegst, und erinnere dich daran, zu dieser zurückzukommen, sobald es dir möglich ist. Wenn du gleichzeitig mit der/dem Klientin/en klopfst, dürftest du deine (Anm: "innere") Antwort so oder so während der Sitzung auflösen.

EFT auf einer regelmäßigen Basis anzuwenden, ist bei Trauma-Arbeit noch wichtiger als in den meisten anderen Bereichen. Trauma-Therapeut/innen erleben traditionsgemäß ein hohes Maß an Burnout. EFT gibt uns die Möglichkeit, das zu ändern und es noch viel machtvoller anzuwenden. Lass Taten auf deine Worte folgen!

Trauma kann ganz allgemein in 4 Kategorien aufgeteilt werden:

1. Fortgesetzte vergangene traumatische Erfahrungen

Systematischer Missbrauch über einen längeren Zeitraum hinweg, der zum gegenwärtigen Zeitpunkt vorüber ist, z.B. Kindesmissbrauch, Mobbing, Kriegserfahrungen

2. Noch andauerndes Trauma

Systematischer Missbrauch, der auch im Heute andauert, in dem die/der Klient/in fortlaufend retraumatisiert wird, z.B. häuslicher Missbrauch und eheliche Vergewaltigung, psychologischer Missbrauch, Mobbing im Arbeitsbereich etc.

3. Einmaliges, vergangenes Trauma

Vergewaltigung, terroristischer Anschlag, Unfall, Überfall etc.

4. Angenommenes Trauma

Trauma, das nicht körperlich erfahren wurde sondern auf sekundäre Weise durch die Medien, Freunde, Kollegen, Geschichten beobachtet wurde

 

Der/die sich präsentierende Klient/in

Einige Klient/innen werden dir ihre Geschichte sofort erzählen müssen. Wenn sie das tun, wird ihr Energie-System massiv gestört reagieren und du wirst kontinuierlich an ihnen klopfen müssen. Um das tun zu können und um eine Verbindung mit der/dem neuen Klientin/en aufrecht erhalten zu können, ist es wichtig, dieses Vorgehen vorbesprochen zu haben, und zwar dann, wenn du dich selbst und deine Arbeit vorstellst. Ich empfehle, wann immer möglich an deinen Klient/innen zu klopfen, und zwar aus 2 Hauptgründen:

1. Durch die physische Verbindung zweier Energiesysteme kann der Effekt doppelt kraftvoll sein.

2. Dies ermöglicht es der/dem Klientin/en, sich auf ihr/sein Thema zu konzentrieren, ohne sich zu sorgen, „dass sie das mit dem Klopfen auch nicht falsch machen“. Während dies ein nützlicher Weg sein kann, Kern-Überzeugungen auszugraben, z.B. solche wie „nicht gut genug zu sein“, sehe ich es in Zusammenhang mit Trauma zu Beginn als nicht hilfreich an, sondern eher noch als eine weitere Tür, die durchschritten werden kann, wenn die/der Klient/in bereits an einem angenehmeren (Anm: "inneren") Ort angekommen ist.

Andere Klient/innen werden mit körperlichen Themen auftauchen wie Schlaflosigkeit, Migräne oder sogar Krebs, bei denen sie selbst keine Verbindung sehen zu irgendwelchen früheren traumatischen Ereignissen. Dennoch: Wenn ein Ereignis geschieht, das unsere Grundüberzeugungen in bezug auf die Welt herausfordert sowie unser Gefühl von persönlicher Sicherheit, dann kann dies eine körperliche Antwort erschaffen, ebenso wie eine emotionale Antwort. Beginne in diesen Fällen immer dort, wo die/der Klient/in sich befindet, nutze deine detektivischen Fähigkeiten und vorsichtigen Fragen, um sanft irgendwelche spezifischen Ereignisse herauszufinden, die zum gegenwärtigen Zustand beitragen können.

Andere wieder werden sich vollkommen abgetrennt haben von den traumatischen Ereignissen, ihnen wird es nicht möglich sein, Zugang zu irgendeiner Emotion zu erlangen, und oft werden sie sich präsentieren mit einem allgemeinen Gefühl von Depression oder Angst. In diesen Fällen wirst du erneut alle deine detektivischen Fähigkeiten anwenden müssen, um die zugrundeliegenden emotionalen Mitarbeiter (Anm: im Sinne von "Antreiber") und Ereignisse hervorzulocken.

Die folgenden Set up-Sätze können hier nützlich sein:

Auch wenn (AW) ich all diese Probleme habe, akzeptiere ich mich zutiefst und vollkommen

Auch wenn das Leben grauenvoll ist, akzeptiere ich mich zutiefst und vollkommen

Auch wenn die Dinge nur noch schlimmer werden können, akzeptiere ich mich zutiefst und vollkommen

Auch wenn ich mich schlecht fühle und mir nicht sicher bin, warum ich mich zutiefst und vollkommen akzeptiere

Hier ist Gary's Frage: „Wenn du dein Leben noch einmal leben könntest- welche Person oder welches Ereignis würdest du weglassen?“ ein exzellenter Weg, um an ein spezifisches Kern-Thema heran zu kommen.

Eine andere Klienten-Gruppe wird sich des Traumas bewusst sein, aber ängstlich sein, nur daran zu denken, geschweige denn darüber zu sprechen. Bei diesen Klient/innen ist das erste, was zu tun ist, sie dort anzusprechen, wo sie sich befinden und mit ihrer sich zeigenden Angst zu arbeiten. Einige der nachfolgenden Set-up-Sätze können hier nützlich sein:

AW ich nicht wieder dorthin zurück gehen möchte, akzeptiere ich mich zutiefst und vollkommen

AW ich ängstlich bin, nur an dieses Ereignis zu denken, akzeptiere ich mich zutiefst und vollkommen

AW es mich erschreckt, wieder diese Zeit anzuschauen, akzeptiere ich mich zutiefst und vollkommen

 

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

PTBS kann verursacht werden durch ein Ereignis oder durch fortgesetzte Belastung durch traumatische Erfahrungen, so wie Krieg (s. Gary's DVDs The EFT Course, Teil 1, Video 3, 6 Tage in der VA=Verwaltung der Veteranen). An PTBS Leidende speichern die Erinnerungen an vergangene Ereignisse in ihrem Gehirn, als wenn sie heute passierten; sie spielen sie erneut ab durch Flashbacks, Über-Wachsamkeit, Albträume, Nervosität und andere körperliche Symptome. Sie können sich ebenso aus dem normalen Leben zurückgezogen haben, weil die Welt als unsicher angesehen wird, indem sie sich abspalten sowie davor zurückziehen, körperlich und emotional mit irgendetwas in Berühung zu kommen.

Emma Roberts