Dieser Artikel beschäftigt sich damit, wie Erkenntnisse der Neuropädagogik in die EFT-Behandlung einbezogen werden können. Am Beispiel der Raucherentwöhnung werden Methoden und Techniken aus beiden Disziplinen verdeutlicht. Die Vorgehensweise kann selbstverständlich auch auf andere Bereiche der Verhaltensänderung übertragen werden.

Die Neuropädagogik als recht junge Disziplin aus der Hirnforschung (1) beschäftigt sich u.a. mit der Frage, wie sich bei bestimmten Verhaltensänderungen (in unserem Fall die Änderung des Rauchverhaltens) die unterschiedlichen Bedürfnisse von Körper, Seele und Verstand vereinbaren lassen. Dass unsere Entscheidungen zu 90% von Gefühlen (lokalisiert vor allem im Limbischen System, besonders in der Amygdala) und unbewussten Prozessen (wie Intuition, sowohl-als-auch-Prozesse, lokalisiert im Stammhirn) und nur zu 10% von unserem Verstand (kognitive Prozesse, logisches Denken im Neocortex) geregelt werden, ist eine wichtige Erkenntnis der modernen Hirnforschung.

Auch in der EFT-Arbeit machen wir die Erfahrung, dass sich Probleme eher schwer nur mit dem Verstand lösen lassen. Das spricht für die oben genannte These, dass Entscheidungen vorrangig emotional bzw. unbewusst gesteuert werden. Daraus ergibt sich, dass eine Kooperation dieser drei Instanzen (Kognitive – Emotionale – Unbewusste Intelligenz) günstig für die Durchführung von Veränderungsprozessen ist.

Ausgehend von dieser Erkenntnis kommt uns die Arbeitsweise im EFT sehr entgegen. Denn gerade die EFT-Behandlung konzentriert sich auf die Emotion und/oder auf das Körpergefühl. Durch diese Fokussierung einerseits und die Stimulation der Akupunkturpunkte andererseits wird auf direkte Art und Weise das limbische System, also das emotionale Gehirn, angesprochen. Parallel dazu erhalten wir auch verstärkt Zugang zu unbewussten Verknüpfungen sprich negativen Glaubenssätzen und Erfahrungshintergründen, die Verhaltensänderungen zunächst mal erschweren, jedoch wichtige diagnostische Hinweise liefern, um diese zuvor unbewussten Blockaden aufzulösen.

Fallbeispiel: So kam ein 41jähriger Mann anlässlich eines ausgeprägten Raucherhustens in unsere psychotherapeutische Praxis. Der Arzt riet ihm seit längerer Zeit, dringend mit dem Rauchen aufzuhören. Von seinem bewussten Verstand her hatte er zwar das gleiche Ziel, aber trotz mehrerer Versuche war es ihm bisher nicht gelungen, dauerhaft rauchfrei zu leben. Gerade durch die EFT-Behandlung wurde ihm immer mehr bewusst, dass sein Weiterrauchen auch ein Akt der Rebellion und Abgrenzung des damals sechzehnjährigen zum Vater war.
Hier könnte man davon ausgehen, dass diese Erkenntnis Ausdruck seiner „unbewussten Intelligenz“
(siehe Neuropädagogik) ist. Als dieser und andere entwicklungsgeschichtliche Zusammenhänge durch das Klopfen deutlich wurden und sich dann durch die weitere EFT-Vorgehensweise der Stress auf der emotionalen Ebene gelöst hatte, konnte er seine Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, aus seinem erwachsenen Verstandesteil und damit auch mit dem Neocortex treffen. Zur Unterstützung dieser Neuentscheidung setzten wir dann die EFT-Choices-Methode (Entscheidungsmethode) nach Dr. Patricia Carrington ein.

Eine weitere Erkenntnis aus der Neuropädagogik betrifft die Tatsache, dass wir Situationen und Ereignisse nicht nur mit unseren Gedanken, sondern auch mit den in diesem Augenblick erlebten Gefühlen und der dazugehörigen Körperhaltung verarbeiten und sie als gekoppeltes Erleben im Gehirn abspeichern. Dies trifft auch auf die Verknüpfung von Außenreizen wie z.B. Worten oder Sätzen mit Gefühl, Einstellung und Verhaltensgewohnheiten wie dem Rauchen zu.
Wenn z.B. eine Mutter zu ihrer jugendlichen Tochter sagt „Du musst mit dem Rauchen aufhören, Frauen in unserer Familie machen so etwas nicht“, dann kann daraus der Glaubenssatz entstehen, „wenn ich rauche, gehöre ich nicht zu dieser Familie“. Dieser, man möchte fast sagen Loyalitätskonflikt, wird dann gekoppelt und abgespeichert mit schlechten Gefühlen wie z.B. Scham und Schuldgefühlen. Wenn die Tochter im Erwachsenenalter z.B. durch eine Schwangerschaft sich verpflichtet fühlt mit dem Rauchen aufhören zu müssen, ist es möglich, dass sie dann die oben genannten abgespeicherten negativen Erlebens- und Gefühlsmuster aktiviert. Der dadurch ausgelöste Stress führt zur Ausschüttung von Neurotransmittern wie Adrenalin und Kortisol und zu einer Vermeidungshaltung der Betreffenden.
Negative Sprachmusterkoppelungen wie „sollen“ oder „müssen“ schaffen nach Aussagen der Neuropädagogik keine guten motivationalen Voraussetzungen, um Verhalten positiv zu verändern.
Deshalb halten wir es in der EFT-Arbeit für wichtig, vor der Klopfbehandlung eine gründliche Explorationsarbeit durchzuführen, damit solche oft vorbewussten negativen Glaubenssätze und bestimmte Sprachmuster der Klientin bewusst werden. Um im weiteren Therapieprozess Veränderungsmotivation zu schaffen, sind dagegen positive Sprachmuster, wie z.B. „wollen“ oder „mögen“ wichtig.
Denn auch laut der Neuropädagogik lassen sich über eine solche gezielte Wortwahl angenehme Gefühle und unbewusste Prozesse anstoßen, die Glücksgefühle und veränderungsfördernde Effekte auslösen. Dabei werden Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin und Endorphine, die sogenannten Glückshormone, in verstärktem Maß ausgeschüttet.

Auch in den Klopftherapien gibt es parallel dazu fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse, dass das Klopfen einerseits die Ausschüttung solcher wichtigen Botenstoffe aktiviert und andererseits den Spiegel des Stresshormons Kortisol signifikant senkt (2). Daher ist es ratsam, solche positiven Formulierungen als Gegengewicht zu den negativen Sprachmustern, die Klienten üblicherweise mitbringen, gemeinsam mit der Klientel zu entwickeln und in die Einstimmungssätze (setup) einfließen zu lassen, die eine Veränderungsmotivation und positive Gefühle auslösen.

Im Folgenden wollen wir, bezogen auf die Raucherentwöhnung, einige Beispiele für Einstimmungssätze aus unserer Praxis anführen (dabei kann es hilfreich sein, beim positiven Teil auch reframes einzubauen):

Negativer Teil Positiver Teil des Einstimmungssatzes
   
„Auch wenn ich denke, dass ich wegen meiner Gesundheit mit dem Rauchen aufhören muss,……….. möchte ich mir erlauben, mit dem Rauchen aufzuhören, damit ich freier atme.“
„Auch wenn ich oft das Gefühl habe unbedingt eine Zigarette rauchen zu müssen,………..

will ich es ausprobieren meine Stärke mal ohne zu erfahren.“

„Auch wenn meine Frau der Meinung ist, dass ich aufhören sollte,….. ist das vielleicht die Art, wie ich meiner Familie etwas Gutes tun möchte.“
„Auch wenn ich bis heute noch glaubte, dass ich mit dem Rauchen meine Eigenständigkeit gegenüber dem Vater behaupten muss,…….. kann ich, wenn ich es will, gerade mit dem Aufhören meine Autonomie leben.“


In der EFT-Behandlung wird durch solche Formulierungen die eigene Weltsicht aus der Enge eingeschränkter Haltungen von Verboten und Ängsten zu einer flexiblen, für neue Erfahrungen offenen Haltung erweitert.

Literaturhinweis:
(1) Dr. Jens Fleischhut: Gesundheitsverhalten im Spiegel der Neuropädagogik. In: aid Ernährung im Fokus, 2010.

(2) Cortisol and Stress. Foundation for Epigenetic Medicine, Santa Rosa, CA. In: http://www.eftuniverse.com/index.php?option=com_content&view=article&id=10648


Marion Klockner-Gallenstein, Dipl. Soz. päd., EFT-Trainerin

Peter Gallenstein, Dipl. Psych., Nikotintherapeut

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