Dieser Artikel enthält einige Vorüberlegungen, darüber was bei einer Paarberatung wichtig sein kann und welche Rolle die BeraterIn dabei spielen sollte. Des Weiteren werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie man EFT in der Paarberatung kreativ einsetzen, aber auch für die eigene Beziehung nutzen kann.

EFT in der Paarberatung

Paarberatung ist eine ganz spezielle Form der Beratung im Gegensatz zu der Einzelberatung oder -therapie. In der Beratung oder Therapie mit Einzelnen ist der Profi sozusagen in der Rolle der Anwältin. Sie vertritt die Klientin gewissermaßen in allen Angelegenheiten.

Doch in der Paarberatung kann es leicht passieren, dass die Beraterin durch die Dynamik des Gespräches zwischen dem Paar in die Rolle der Richterin „gedrängt“ wird, jedem der beiden Partner recht zu geben.

Deshalb ist es von größter Bedeutung, dass die Beraterin sich nicht in diese Rolle drängen lässt, sondern die Rolle der Vermittlerin oder man möchte fast sagen der Übersetzerin einnimmt. Denn oft sprechen Paare, und da spielt möglicherweise auch die Genderthematik eine Rolle, unterschiedliche Sprachen, obwohl sie beide „deutsch“ sprechen.

Ebenso kommt es häufig vor, dass Paare sich gegenseitig Vorwürfe machen und damit mehr auf das Negative fixiert sind. Dabei kommt Wertschätzendes meist zu kurz, obwohl in der Regel jede Beziehung auch Positives zu verzeichnen hat.

Das Ziel einer Paarberatung kann also meiner Ansicht nach nur sein, dass jede/r die Sicht des jeweils anderen einerseits verstehen lernt, aber auch andererseits bei sich selbst destruktive Seiten wahrnimmt und bearbeitet. Im Idealfall geht es dann darum auch bei Streitigkeiten Kompromisse zu finden, in denen jeder einen Teil seiner Bedürfnisse berücksichtigt findet.

Die Arbeit in der Paarberatung ist eine sehr vielschichtige, deshalb können meine nachfolgenden Ideen, wie du dabei EFT einsetzen kannst, nur einen Teil dessen abdecken. Es gibt dabei keine Reihenfolge, du kannst sie wahlweise da einsetzen, wo es für dich in den Beratungsprozess passt:

  • Erste Möglichkeit:
    Eine/r fängt an und berichtet über die eher als schwierig empfundenen Seiten des jeweils anderen. Der/die Andere, welcher gemeint ist, klopft währenddessen immer wieder ihre/seine Punkte im Gesicht bis unter die Achsel bei sich selbst. Es braucht dabei keinen Einstimmungssatz und auch keine Stressskala.
    Das Klopfen der Punkte dient dazu die „Kritik“, die erfahren wird und die negativen Gefühle und Glaubenssätze, die dadurch hochkommen können, durch die EFT-Behandlung zu neutralisieren.
    Danach kann eine gemeinsame Auswertung mit der Beraterin stattfinden und Reste, die unverarbeitet geblieben sind, können gleich oder später mit dem sonst üblichen EFT-Behandlungsablauf beklopft werden.
    Danach findet natürlich ein entsprechender Wechsel statt.

  • Zweite Möglichkeit:
    Eine/r berichtet wertschätzend über die positiven Seiten der/des anderen. Dabei klopft die Partnerin/der Partner, welcher den positiven Kommentar abgibt, die Fingerpunkte ihres/seines Gegenübers und zwar so lange wie die Wertschätzung gegeben wird. Die Vorgehensweise dient dazu, beim Empfänger zum einen die Wirkung der positiven Botschaften klopfend zu verstärken und zum anderen eventuell vorhandene Blockaden oder Glaubenssätze (z.B. „ich bin es nicht wert, dass jemand positiv über mich spricht“) aufzulösen.
    Danach kann wieder eine gemeinsame Auswertung mit der Beraterin stattfinden („Wie hat das auf Sie gewirkt? Konnten Sie das Positive annehmen?“ usw.).
    Auch hier kann es von Bedeutung sein, an den Stellen, wo es schwerfällt, Wertschätzendes anzunehmen, das dahinterstehende Problem mit EFT entweder in einer Einzelsitzung oder im Beisein der Partnerin / des Partners zu behandeln.Danach findet natürlich wieder ein entsprechender Wechsel statt.
  • Dritte Möglichkeit:
    Denkbar ist auch, dass man eine Variante von Borrowing Benefits (geborgter Nutzen) durchführt.
    Zunächst werden hier bei jedem eigene Problemthemen herausgearbeitet. In einem zweiten Schritt behandelt sich einer von den Beiden mit EFT, dabei gibt die Beraterin entsprechende Hilfestellungen. Die Andere/der Andere klopft zur Unterstützung mit, doch eigentlich bearbeitet diese/r gleichzeitig damit auch ihr/sein eigenes Problem, da das Unbewusste hier aktiv mitarbeitet.
    Auch diese Vorgehensweise bedarf danach sicher einer Auswertung und natürlich ist auch ein Wechsel möglich.

  • Vierte Möglichkeit:
    Hilfreich ist es auch die Entscheidungsmethode (Choices) einzusetzen, wenn es z.B. um Widerstände beim Einhalten von gemeinsamen Vereinbarungen geht.
    Hier könnte gemeinsam oder auch abwechselnd mit beiden das sogenannte Choices-Trio geklopft werden.
    Voraussetzung wäre natürlich, dass die Beraterin mit dem Paar die Vorgehensweise vorher mündlich bespricht und einübt.

  • Fünfte Möglichkeit:
    Natürlich ist es bei Paarberatungen auch möglich, im Wechsel Einzelsitzungen durchzuführen, in der Jede/r seine speziellen Themen mit EFT bearbeiten kann. Hilfreich ist dabei, dass die Inhalte und Ergebnisse dieser Sitzungen dann wieder in die Paarberatung einfließen. Das stellt zusätzlich Vertrauen und damit Nähe zwischen den Partnern her.

Die obengenannten Übungen können nicht nur im professionellen Rahmen durchgeführt werden, sondern auch im privaten Bereich hilfreich sein.

Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht
Marion Klockner-Gallenstein (Dipl. Soz. Päd. / EFT-Trainerin bei DACH)

Foto von Marion Klockner-Gallenstein