"OPERATION: Emotionale Freiheit, die ANTWORT
Für einige ist der Krieg vorbei, aber die Schlachten hören niemals auf!"

In der Film-Dokumentation „OPERATION: Emotional Freedom, the ANSWER For some the war is over, but the battles never end!“ wird gezeigt, wie Betroffene von PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) im Rahmen eines 5-tägigen Projekts in San Francisco mit EFT behandelt werden. In ihr kommen ausführlich die Betroffenen sowie Familienangehörige vor, während als auch einige Monate nach den Behandlungen zu Wort. Der Film enthält als Beigabe ein langes Interview mit Gary Craig, dem Begründer der Methode, in dem er Informationen zur Methode selbst und zur Entstehungsgeschichte des dokumentierten Projekts gibt.

Die Ausgangslage

Die PTBS-Betroffenen – Veteranen aus dem Vietnam-Krieg, dem Golf- Krieg und dem Irak-Krieg sowie 2 Familienangehörige – berichten in dieser Dokumentation von ihrer Motivation und ihren Symptomen und Problemen, mit denen sie sich z.T. schon Jahrzehnte lang herumgeschlagen haben. Geschildert werden hier z.B.: wiederholte Selbstmordversuche und Aufenthalte in der geschlossenen Psychiatrie, Depressionen, Angstzustände und gewalttätige Emotionen, Schlaflosigkeit, Medikamentation mit diversen Psychopharmaka gleichzeitig, Mißbrauch von legalen und illegalen Substanzen bis hin zu körperliche Schmerzzuständen, Zittern, Schuldgefühlen, Isolation und Rückzug, Perspektivlosigkeit und Eheproblemen.

Die zu Wort kommenden Familienangehörigen berichten von Traumatisierungen durch Ehepartner, von Migräneanfällen, gewalttätigen Auseinandersetzungen vor den Kindern; von Angst davor, „dass der Ehemann irgendwann durchdreht und zum Terminator wird“ und von Trennungen, um die Familie zu schützen. Kinder berichten, dass sie Ängste ihres Vaters übernommen hätten etc.

Erwähnenswert ist, dass einige der Veteranen in der Vergangenheit bereits PTBS-Therapien in Form von traditionellen Gesprächstherapien und Medikamenten durch die offizielle Veteranen-Organisation erhalten hatten.

 

Das Besondere an diesem Projekt: laufende wissenschaftliche Begleitung und Auswertung

Diese erfolgte mit Fragebögen, die amerikanischer Standard in der klinischen Diagnostik psychologischer Symptome sind (SA-45=Symptom Assessment 45). Zusätzlich wurde das PTBS mit der PCL-M („PTSD Checklist Military“) gemessen. Die Daten wurden sowohl vor Beginn der Behandlungen, währenddessen sowie 1 Jahr später erhoben. Die Ergebnisse dieser Studie wurden bereits vor Erscheinen der Film-Dokumentation am 16.11.2009 in „Traumatology OnlineFirst“ unter dem Titel „The Treatment of Combat Trauma in Veterans using EFT (Emotional Freedom Techniques): A Pilot Protocol“ veröffentlicht.

Im Film selbst kommen unterschiedliche Wissenschaftler zu Wort, darunter Psychologen, Neurologen, Psychiater und Ärzte. Zusätzlich kommentieren die behandelnden EFT-Therapeut/innen den Verlauf ihrer Behandlungen.

 

Die Ergebnisse der Behandlungen:

Am Ende der Veranstaltung gingen alle Teilnehmer/innen ohne PTBS-Symptome – entsprechend den klinischen Bewertungsbögen – nach Hause. Aus der Begleitstudie geht hervor, dass sich die Ergebnisse nach 30 Tagen, nach 90 Tagen und nach einem Jahr „hielten“. Auch eine Verbesserung der Schlafqualität konnte festgestellt werden.

Während der 5-tägigen Behandlungsdauer war an den auslösenden Kriegserlebnissen gearbeitet worden. Soweit im gesteckten Zeitrahmen möglich, wurden teilweise auch darunter liegende traumatische Erlebnisse, die in der Vorgeschichte – bis hin zur Kindheit – stattgefunden hatten, bearbeitet.

 

Was mich besonders angesprochen bzw. beeindruckt hat:

Der Unterschied, den wir in den Gesichtern der Betroffenen wahrnehmen können, ist z.T. überaus deutlich. Beeindruckend ist für mich schon die Eingangssequenz, in der wir die erste Zusammenkunft im Hotel sehen können: da sind (noch) versteinerte Gesichter, Abwehr, es sieht aus wie „Feindseligkeit“. Einer der Veteranen erzählt aus dem „Off“ von einem Augenblick, als er buchstäblich fühlte, wie sich einige der Anwesenden „zumachten“.

Auch Gary Craig erzählt in dem vorher erwähnten Interview von dieser Situation. Und dass es ihnen gelungen sei, am ersten Abend das Eis zu brechen... dass viele die darauf folgende Nacht seit langem erstmals wieder durchschlafen konnten... etc.

Was mich zu Anfang des Films besonders berührte war zu hören, wie ein Mann zu Wort kommt, der schon jegliche Hoffnung für sich selbst aufgegeben hatte und nur für seine Frau mitgekommen war, damit sie vielleicht ihre Kopfschmerzen endlich loszuwerden könnte... Und da ist seine Ehefrau, die mit Würde und leisem Humor erzählt, wie sie selbst durch ihren Mann traumatisiert wurde und im Krankenhaus landete... eine Frau, die Angst hatte, dass er die ganze Familie irgendwann erschießen könnte und die sich deshalb von ihm getrennt hatte... und im Laufe des Films können wir sehen, wie die beiden schließlich zusammen in einer gemeinsamen Sitzung sind und sie hält seine Hand und sagt: „Das erste Mal seit 5 Jahren reden wir wieder miteinander...“ und sie sagt zu ihm: „...ich liebe dich.“ Und er schaut still lächelnd zu ihr hinüber und sagt: „Ich liebe dich auch, Baby-“.

Zu sehen, wie sich Gesichter verändern können, wenn tief belastende Themen erfolgreich aufgelöst werden konnten... zu sehen, wie ein Teilnehmer zum Schluß aufrecht, offen und zugewandt breit lächelnd da steht und applaudiert... und dies in so komplettem Kontrast zu den ersten Bildern, die wir wenige Minuten vorher von ihm noch sehen konnten...

oder einen Veteranen zu sehen, der einige Monate nach den Behandlungen aussieht wie ein ganz anderer Mensch: dessen Gesicht so viel klarer, entspannter und lebendiger ist...

oder eine ganze Familie Monate nach den Behandlungen zu sehen, wie sie entspannt und lächelnd auf der Couch sitzt und – raten Sie mal... was tut? (Anm: die gesamte Familie nutzt inzwischen sowohl individuell als auch gemeinsam das Selbsthilfe-Potential der Methode

… all dies ist berührend.

Die Dokumentation zeigt nicht nur, dass EFT Menschen mit PTBS helfen kann – ihr Verdienst ist es gleichfalls, ganz nebenbei deutlich zu machen, wie sehr von PTBS betroffene Menschen ihr gesamtes Umfeld nach und nach mit beeinflussen: die Ehepartner, eigenen Kinder, Freunde, Eltern. Dadurch zeigt sie auch, wie sehr Trauma und PTBS uns alle angehen.

Was mir weiterhin gefiel: Carol Look, die einen Doktorgrad in klinischer Hypnotherapie hält und selbst eine der behandelnden Therapeutinnen ist, führt – einem roten Faden gleich – fachlich kommentierend durch fast alle Filmsequenzen.

 

Diese Film-Dokumentation ist etwas Besonderes.

Unabhängig davon, wie Einzelne zu Krieg oder zur Sinn- oder Nicht-Sinnhaftigkeit von militärischen Interventionen unterschiedlicher Art stehen mögen: PTBS ist ein Thema, das nicht nur Kriegsteilnehmer/innen oder Veteranen oder Reservist/innen betreffen kann. Es geht Generationen von Deutschen an, weil sie selbst die Auswirkungen in ihren eigenen Familien erlebt haben – als Folge von Kriegen, als Folge von Gewalt und „Missbrauch“ in verschiedenen gesellschaftlichen Zusammenhängen. Und immer mehr Menschen gehen an die Öffentlichkeit: ehemalige Heiminsassen aus Heimen der 50-70er Jahre, Menschen, die in kirchlichen und öffentlichen Einrichtungen sexuell missbraucht wurden – und ehemalige deutsche Soldat/innen, die mit ihren inneren und äußeren Verletzungen alleine zurück geblieben sind. Sie alle beanspruchen berechtigt Hilfe und Unterstützung.

 

Dieser Beitrag kann das Anschauen des Films nicht ersetzen. Was bleibt also noch? Anschauen.

Der Film kann auf der Webseite des Filmemachers Eric Huurre (www.operation-emotionalfreedom.com) erworben werden.

Die Methode EFT (Emotional Freedom Techniques) wurde im Rahmen einer Anhörung über "Innovative Behandlungen für PTSD" im US-Kongress im darauf folgenden Juli 2010 von Dawson Church, Ph.D. und David Feinstein, Ph.D. vorgestellt. Einen Bericht hierüber können Sie über das Newsletter-Archiv des Filmemachers Eric Huurre, den Sie unter der Film-Webseite anfordern können, erhalten. Über einen Bezug seiner Newsletter bleiben Sie auf dem neuesten Stand über Entwicklungen in diesem Bereich.